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Flensburger Orte: Ostseebad

Sag mal, wenn du Fotos und Videos vom Strand in Flensburg postest: wo bist du denn da genau? Ich wusste gar nicht, dass Flensburg Strände hat!


Diese Frage erreichte mich in der vergangenen Woche als ich in Flensburg war.

Zugegeben, die Flensburger Strände sind vielleicht nicht die längsten, breitesten und feinkörnigsten an der deutschen Ostseeküste, aber auch sie sind je nach Tages- und Jahreszeit ein wunderbarer Ruhepol oder Ort ausgelassenen Treibens.

Für mich sind Besuche am Strand ein fester Bestandteil sobald ich an der Küste bin - besonders in den frühen Morgenstunden genieße ich die Zeit mit Wind und Wasser, wenn außer mir nur weitere ganz frühe und meist einheimische Vögel unterwegs sind und noch eine wohltuende Stille über der Stadt liegt. Hier bin ich ab und an auch schon in einen kurzen, unaufdringlichen und netten Schnack mit richtigen Flensburger Urgesteinen geraten. Dass die Norddeutschen unterkühlt und unkommunikativ sein sollen, kann ich übrigens zumindest für Flensburg überhaupt nicht unterschreiben,


Heute stelle ich euch Ostseebad vor - und Ostseebad ist vor allem geschichtlich betrachtet mehr als "nur ein Strand" und nicht nur bei Touristen, sondern eben auch bei Einheimischen sehr beliebt.


Auch wenn der Name auf etwas anderes schließen lassen könnte - Ostseebad ist keines der offiziellen Seebäder der Ostsee. Die Verwendung des Begriffs „Seebad“ ist in Deutschland Kurorten vorbehalten - und für die Nutzung des Titels „Seeheilbad“ müssen natürlich viele bürokratisch korrekte Voraussetzungen erfüllt werden.






1872 wurde das Strandbad nach der Idee des Flensburger Arztes Peter Henningsen angelegt. Hier hat nicht nur meine Ommi schwimmen gelernt - vor und nach ihr konnten hier viele Generationen Flensburger Kinder ihre ersten Erfahrungen mit dem Wasser machen. Ziel war es, ein Freibad und einen aktiven Kurbetrieb in Flensburg zu etablieren.

Das ursprüngliche Areal war übrigens deutlich größer und reichte bis hinaus zur Werft, die ihr auch heute immer noch sehen könnt, wenn ihr am Strand nach rechts (für die Profis: nach Südosten) in Richtung Flensburg schaut. Derzeit (Stand Oktober 2020) könnt ihr auch von Ostseebad aus die im Bau befindliche Fähre "Honfleur" dort sehen - allerdings nicht mehr lange, denn sie wird derzeit für den Abtransport vorbereitet. Aber das ist eine andere, sehr komplexe Flensburger Geschichte, die dieses Jahr für viel Aufruhr gesorgt hat.

Zurück zum Ostseebad: Bis 1880 war Ostseebad privatisiert und gehörte der Ostseebadgesellschaft, einer Aktiengesellschaft, bis es 20 Jahre vor der Jahrhundertwende von der Flensburger Schiffbaugesellschaft übernommen wurde. Der Klueser Wald, der übrigens größtenteils zur Gemeinde Harrislee gehört, grenzt unmittelbar an das Strandareal an und spendet auf dem Weg zum Strand auch heute noch Schatten an heißen Sommertagen.


Hätten Vereine einen Grundstein, so läge der des bis heute bestehenden Flensburger Schwimmklubs in Ostseebad, denn dort fand er 1930 seinen Ursprung. 


Am 23.01.1914 wurde der bis heute in Ostseebad ansässige Ruderklub Flensburg e.V. gegründet, der am Südostende des Strandes sein Vereinsheim hat. Wer anstatt zu rudern lieber paddelt, wird auf der gegenüberliegenden Seite am Nordende des Strandes beim Flensburger Paddelfreunde e.V. fündig, der auch schon seit 1951 besteht.

Ostseebad gehört seit 1976 zu den Landschaftsschutzgebieten der Stadt Flensburg, zu denen unter anderem auch die Landschaftsteile Marienhölzung, Scherrebektal oder Fördeufer Mürwik-Solitüde gehören. Wusstet ihr übrigens, dass Landschaftsschutzgebiete eine bestimmte Schutzgebietskategorie innerhalb des Bundesnaturschutzgesetzes sind? In ihnen soll vornehmlich der Charakter einer (zumeist Kultur-) Landschaft erhalten bleiben.


Neben Schwimmern finden sich auch immer mehr Stand-Up-Paddler in Ostseebad ein. Wer sich für Wassersport aber so ganz und gar nicht begeistern kann, lässt sich vielleicht von den Beachvolleyballnetzen zu einer sandigen Partie mit Freunden überzeugen. Anschließend kann man sich im anliegenden Kiosk eine Stärkung besorgen (und keine Sorge: auch Sanitäranlagen sind vorhanden).


Falls sich jemand über das plätschernde Wasser am Strand wundert: das ist der Moorbach, der sich an Findlingen entlang seinen Weg in die Ostsee bahnt und immer wieder für schöne Fotomotive sorgt.

Unverwechselbar macht Ostseebad wohl sein langer Steg mit der Wetterschutzhütte am Pierende - ganz hilfreich ist sie tatsächlich, wenn man sich bei schnittigem Ostseewind in die Badeklamotten werfen möchte. :-) Hier trifft man auch im Winter noch vereinzelt die richtig hartgesottenen Schwimmer, die ihrem Immunsystem mit einem Sprung ins Meer sprichwörtlich auf die Sprünge helfen. (An dieser Stelle ein Appell von mir an euch: Achtung! Bitte nicht von der Brücke springen - die Ostsee ist hier sehr flach und es besteht Verletzungsgefahr.)

Von Ostseebad aus könnt ihr nicht nur Dänemark sehen, sondern auch zu Fuß Richtung Nordwesten am Wasser entlang zum Strand von Wassersleben laufen.

Blick Richtung Wassersleben

Der "NaturFreunde Deutschlands" Landesverband Schleswig-Holstein e.V. schafft in Ostseebad übrigens Voraussetzungen für einen kippenfreien Strand und stellt kostenfreie Aschenbecher am Aufgang des Strandes zur Verfügung.

Wer darüber hinaus - ganz egal ob als Raucher oder Nichtraucher - etwas für die Umwelt tun möchte, kann natürlich auch selber Hand anlegen, auf dem Strandspaziergang ein wenig Müll einsammeln und in den vor Ort befindlichen Mülleimern entsorgen. Da kommt mit wenig Mühe ganz flott einiges zusammen! Gut für's eigene Gefühl und vor allem gut für die Umwelt!


Einen Hundestrandabschnitt hat Ostseebad heute auch - und wo wir gerade beim Thema Müll sind: ich als Hundehalterin möchte euch liebevoll daran erinnern, die Hinterlassenschaften eurer geliebten Vierbeiner ebenfalls in den Mülltonnen zu entsorgen, damit wir alle ein tretminenfreies Strandvergnügen genießen können! :)


Wer einen schönen Ort zum Niederlassen während des Sonnenaufgangs sucht, der ist in Ostseebad genau richtig. Wenn die Sonne auf der anderen Fördeseite hinter der Marineschule Mürwik aufgeht, bieten sowohl der Steg als auch der Strand ein schönes Plätzchen für einige Minuten des Innehaltens. Besonders schön sind Sonnenaufgänge übrigens erst dann, wenn sich ein paar Wolken an den klaren Himmel gesellen und das Licht sich schön in ihnen brechen kann.



Zum Strand gelangt ihr, wenn ihr "Am Ostseebad" in euer Navi eingebt oder im guten alten Falk-Stadtplan sucht. Am Ende der Sackgasse befindet sich auch ein kostenloser Parkplatz. Parken könnt ihr sonst auch an einem der umliegenden Parkplätze oder in den vielen Seitenstraßen - mit Rücksicht auf die Anwohner natürlich! :)

Erreichen könnt ihr den Strand Ostseebad aber auch gut mit dem ÖPNV bis zur Haltestelle "Am Lachsbach" mit den Buslinien 1, 2 und 7.

Ostseebad ist insofern barrierefrei, als dass bis zum Steg durchgehend ein fester, befahrbarer Untergrund vorhanden ist. Wer also mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl gerne bis vorne auf den Steg gelangen möchte, kann das ohne Weiteres tun - auch ohne mit Sand in Berührung zu kommen.

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